Es ist knapp nach sieben Uhr morgens – die Sonne scheint schon recht kräftig durch den Morgendunst. Es verspricht ein schöner Tag zu werden. Angela betritt ihre Garage, öffnet die Wagentüre und steigt in das leicht vorgewärmte Fahrzeug.
Beim Frühstück schon hat sie  über die Fernbedienung das Fahrzeug aktiviert und die Abfahrtszeit programmiert.
Beim Einsteigen hat sich die induktive Ladestation des MODOLO Edbw in den Garagenboden zurückgezogen. Die Akkus sind für weitere fast 300 km wieder voll geladen.
Das “dbw” in der Produktbezeichnung steht für “Drive by Wire”. Das heißt, auch das Lenkrad hat keine mechanische Verbindung mehr zu den Rädern. Die Arbeit übernimmt ein ausgeklügeltes System von Servos und Steuerelektronik welches in ein, den hohen Sicherheitsanforderungen entsprechenden, Bussystem integriert ist.

Die Atomkatastrophe in Fukushima (Japan) im Jahr 2011 hatte unter anderem zur Folge, daß die Menschen rund um den Erdball mehr auf Umweltprobleme und im Besonderen auf die Probleme bei Erzeugung und Nutzung elektrischen Stromes sensibilisiert waren. Vor diesem Hintergrund ist es der Automobilindustrie gelungen die Elektrofahrzeuge, die schon länger in den Entwicklungslabors schlummerten in den Verkauf zu bringen.

Anfangs waren die Hybrid-Autos auf den Plan getreten, die aber trotzdem hauptsächlich einen Verbrennungsmotor hatten und nur zusätzlich einen Elektromotor. Später kamen immer mehr Voll-Elektrofahrzeuge in die Auslagen, jedoch mit einer eher geringen Reichweite (etwa 150 km). Auch diese waren was das Fahrzeugkonzept betrifft nichts wirklich Neues.

Angela steckt ihre Chipkarte in das Fach am Armaturenbrett und startet mit ihrem Daumen, nach biometrischer Überprüfung, den Wagen. Es dauert heute nur mehr wenige Sekunden, dann ist das verteilte Computersystem gecheckt und die grüne Signalfläche am Armaturenbrett signalisiert die fehlerfreie Einsatzbereitschaft. Das Ziel wird am Navi des Bordcomputers ausgewählt und der Fahrschalter (früher war hier einmal der Getriebeschalthebel) wird auf “Drive” gestellt. Nur gibt es hier kein Getriebe, das zu bedienen wäre. Nicht einmal ein automatisches.

Langsam rollt Angela nun durch den Vorort, die automatische Tempoüberwachung sorgt dafür, daß sie das Tempolimit von 30 km/h nicht überschreitet. Der Bordcomputer blendet die Navigationshinweise auf der Windschutzscheibe ein. Aus den Bordlautsprechern rieselt leise die Musik, die Angela voreingestellt hatte. Auf ihrer Chipkarte werden alle individuellen Konfigurationseinstellungen des Fahrzeuges automatisch gespeichert und beim nächsten “Startup” wieder geladen. Sitzeinstellungen, Klimaeinstellung, Musik müssen nicht jedes mal neu gefunden werden. Natürlich werden auch Einstellungen zur Konfiguration des Fahrwerks, ob 2-Rad oder 4-Rad-Antrieb etc. mit abgespeichert und stehen bei der nächsten Ausfahrt individuell wieder zur Verfügung.

Über die Freisprechanlage kann  Angela noch rasch zwei Anrufe ins Büro erledigen und gleich den Tisch für das Mittagessen in ihrem Lieblingslokal reservieren. Dazu braucht sie am Bordcomputer nur die Applikation des Lokals starten und den Button zum Reservieren klicken. Die Bestätigung bekommt sie auf der Windschutzscheibe eingeblendet. Genau so wie die aktuellen Verkehrsmeldungen. Es gibt bis Wien keine Probleme, d.h. zumindest keinen Unfallstau.

Speziell in Deutschland ist nach Fukushima im Bereich Energieerzeugung nichts so gewesen wie vorher. Trotz heftiger Proteste haben sich die Atomgegner letztlich doch nicht durchgesetzt, aber mit Hilfe der EU wurden doch alle Kraftwerke in Europa, damals noch 143, einem gründlichen Sicherheitscheck unterzogen, und schließlich wurde einiges an Geld in Nachrüstung von Reservekühlsystemen, Meßanlagen und ähnliches investiert.
Die Atom-Zubehörbranche hatte ein paar Jahre Hochbetrieb.

Eine Forschungsinitiative der EU gab letztlich den Anstoß, daß europaweit die Forschungsbudgets aufgestockt wurden, und in moderne Kraftwerke (Windenergie, Solar und Wärmekopplungen, sowie teilweise sogar in Nutzung der Erdwärme) wurden signifikante Beträge investiert.
Schließlich hatte der Paradigmenwechsel in der Autobranche auch dazu geführt, daß zunehmend mehr Strom verbraucht wurde. Diesmal für den Verkehr.
Dafür sind die Importe für Öl und Gas deutlich zurückgedrängt worden. Die Abhängigkeit Europas von Energiezulieferungen großen Stils wurde somit deutlich verringert.

Doch ohne Atomkraft als vorübergehender technischer Lösung wäre all das nicht möglich gewesen. Schließlich mußten erst viele Kilometer Hochspannungsleitungen und moderne Übertragungsknotenpunkte gebaut werden um den Einsatz der vielen kleinen Kraftwerke unterschiedlichster Bauart sinnvoll nutzbar zu machen.

Angela hat einstweilen die Autobahn erreicht. Noch immer sind viele Kraftfahrzeuge mit Verbrennungsmotor unterwegs. Die müssen jedoch die rechten drei Spuren der Autobahn benutzen. Die vierte Spur ist nur für die Fahrzeuge reserviert, so wie der MODOLO, die bereits das neue Elektronische Fernleitsystem nutzen können. Das gibt es seit kurzem versuchsweise auf der A2. Dabei wird die komplette Steuerung von einem Leitsystem übernommen. Angela nutzt die verbleibende Zeit bis sie Wien erreicht noch ein paar Telefongespräche abzuwickeln und ihre Mails am Bordcomputer einzusehen.
Hie und da wirft sie einen besorgten Blick auf die Straße, aber das System scheint hervorragend zu funktionieren. Es verzögert automatisch wenn sich der Abstand zum Vordermann zu  sehr verringert und “kümmert” sich selbstverständlich um die Geschwindigkeitsbeschränkung bei der Baustelle bei Baden.

Während auf den rechten drei Spuren teilweise Chaos und Verstopfung herrscht, geht es auf der “automatischen” Spur sehr zügig und flüssig dahin. Bei der Ausfahrt in Wr. Neudorf leitet das Fernleitsystem Angela sicher von der Autobahn, wobei sie wieder die Handsteuerung übernommen hat.

Wr. Neudorf – früher ein Vorort von Wien – heute läßt sich eine Grenze zur Stadt nicht mehr erkennen. Natürlich gibt es in Teilen auch hier Parkraumbewirtschaftung. Die Zeiten, als Angela immer Sorge tragen mußte, daß genug Parkscheine an Bord waren sind mit dem MODOLO vorbei. Das Einparken wird durch, für diesen Zweck mitlenkende Hinterräder, wesentlich einfacher. Außerdem gibt es statt Außenspiegel hier nur Videokameras, die ein verlässliches Bild von der Welt draußen liefern.
Bevor der Bordcomputer Angela noch erinnern kann, daß hier ein Parkentgelt zu zahlen ist, hat sie schon den Dienst aufgerufen und den Parkschein per Computer und Internetverbindung gelöst. Selbstverständlich bekommt sie auf ihr Handy eine Erinnerung, daß die Parkzeit in 10 Minuten abläuft.

Rund um die modernen Bordcomputer, die einstweilen alle Direktverbindungen zum Internet haben, natürlich mit einer eigenen Firewall und anderen erforderlichen Sicherheitseinrichtungen, wurden viele nützliche Anwendungen geschaffen, die teilweise auch Daten von der Navigation verarbeiten, bzw. den Fahrer sofort zu dem Geschäft, Restaurant oder Tankstelle hinführen die im Internet ausgesucht wurde.
Selbstverständlich sind diese Rechner so von einander getrennt im Fahrzeug, daß keinesfalls ein Angriff mit Viren auf die Wagensteuerung möglich wäre.
Für Sicherheit wurde im MODOLO E viel Geld verwendet. Geld, das sich bezahlt macht.

Den MODOLO gibt es natürlich von vielen Herstellern. Große Marken wie AUDI, VW, FORD und auch einige asiatische Autobauer haben diese Technologie lizensiert und profitieren von einer gemeinsamen Entwicklung im MODOLO Kompetenzcenter in Österreich, wo unter anderem in die Entwicklung der hohen Anforderungen gerecht werdenden Software Universitäten aus Wien, Graz und anderen europäischen Ländern eingebunden sind. Auch die Computerhardware ist eine Spezialentwicklung, die auf die besonders harten Bedingungen im Kraftfahrzeugbau abgestimmt ist.

Die Fahrleistungen eines MODOLO sind beachtlich, das Drehmoment entspricht bzw. übertrifft sogar so manchen Turbodieselmotor, und die Umweltverträglichkeit betrifft nicht nur den reinen Betrieb, sondern schlägt sich durch weniger Wartungskosten und geringeren Verschleiß auch in den Gesamtkosten nieder.

Angela nimmt ihre Handtasche aus dem Wagen, schließt das Fahrzeug mit der Fernbedienung, wobei gleichzeitig eine an das Handy gekoppelte Alarmanlage aktiviert wird. Das unerlaubte Starten des Wagens ist damit technisch nahezu unmöglich.

Gerald Pechoc, Mai 2011

Links zum Thema (2011)
https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Elektroauto
http://www.elektroauto-nachrichten.de/category/elektroauto-hersteller/audi/

http://www.teslamotors.com/
http://www.citroen.co.uk/our-brand/concept-cars/citroen-survolt/#/our-brand/concept-cars/citroen-survolt/
http://www.renault.com/en/innovation/l-univers-du-design/pages/concept-car-dezir.aspx

http://www.chevrolet.com/volt/

http://www.elektrobusse.com/index.php/en/commercial-electric-vehicles

http://www.e-tankstellen-finder.at/Stromtankstellen/Elektrotankstellen.html

http://www.news.at/articles/1022/32/269956/warum-macht-stronach-elektroautos

http://www.hybrid-autos.info/
http://www.lexus.at/hybrid/hybrid-range/index.aspx?WT.mc_id=LexSEM_2008_Hybrid&WT.srch=1&WT.adsite=Google
http://www.bmw.at/at/de/active_hybrid/overview.html?WT.mc_id=bat_sem_bk014&WT.srch=1&lc=sem_bk
http://www.greenhybridelectricvehicle.com/buy/Jaguar/X-Type
http://www.hybriddieselelectric.com/diesel-electric-hybrid-vehicles-an-evolution-in-hybrid-vehicles/