Es hat sicher vielerlei Gründe, warum der Mensch etwas als gefährlich oder aber doch weniger gefährlich einstuft. Zuallererst werden vermutlich persönliche Erfahrungen und Gefühle die noch in Erinnerung sind eine wichtige Rolle spielen, da dies dem ganz natürlich angeborenen Verhalten zur Gefahrenabwehr entspricht.
Wenn etwas mehr Zeit bleibt, also nicht unmittelbar gehandelt werden muß spielt Ausbildung und zum Beispiel das Training mit der Handhabung von Werkzeugen, Maschinen und Anlagen die entscheidende Rolle.
Geht es um die Beurteilung von Technologie dann ist Bildung und konkretes Wissen oder aber eben der Mangel an Informationen die Basis für die Beurteilung von Sicherheit, und genau so individuell wird diese auch ausfallen.

Experten urteilen selbstverständlich anders. Sie wägen ab, setzen auf bisherige Erfahrungen, Statistiken und konkrete Risikoabschätzungen die je nach Standpunkt des Betrachters sehr unterschiedlich ausfallen können.
Bei Technologien, die von der Gesellschaft eingesetzt und benutzt werden – Verkehr, Energieerzeugung, Erstellung von Saatgut, pharmazeutischen Produkten… – sind die Entscheidungsträger hauptsächlich im “Markt”, der Politik und den Medien zu finden.
Die Medien, die durch die Art ihrer Berichterstattung (only bad news are good news) manchmal auch eine sehr zweifelhafte Rolle spielen.

In die Risikoabschätzung von Technologien gehen also nicht nur sachliche und rational begründbare Argumente ein sondern auch eine Vielzahl von Argumenten, die den unterschiedlichen Standpunkten, strategischen Überlegungen und auch wirtschaftlichen oder kulturellen Notwendigkeiten entsprechen ein. Schon aus diesem Grund ist es sehr schwierig absolute und vergleichbare Aussagen zu treffen.

Dazu kommen manchmal Schwierigkeiten Statistiken möglichst objektiv anzusetzen, so wie im Flugverkehr, wo man argumentieren kann, daß die Anzahl der Todesfälle auf geflogene Kilometer sehr gering ist. Die selbe Statistik sieht aber doch anders aus, wenn man die Anzahl der Todesopfer auf die Zahl der Starts und Landungen bezieht. Ähnlich ist es im Bahnverkehr.

Anfangs hat es eine neue Technologie meist schwer sich durchzusetzen. Nehmen wir als Beispiel das Auto, das heute so selbstverständlich unsere Straßen verstellt, daß wir uns kaum Gedanken über Sicherheit darüber machen. Das Freischwimmerabzeichen macht nicht jeder, aber der Führerschein gehört zum Ausbildungspfad eines jungen Menschen fast wie eine Lehre oder die Matura.
Das subjektive Sicherheitsgefühl hat sich durch die Jahrzehnte der Fahrzeugentwicklung
(Sicherheitsgurte, Airbags, Crashtests…) trotz stetig erhöhter Geschwindigkeit sehr gewandelt.
Vor etwas mehr als hundert Jahren, als die Fahrzeuge noch sehr langsam fuhren, mußte wegen der “großen Gefährdung” vor dem Fahrzeug jemand gehen der mit einer roten Fahne vor der Gefahr warnte!
Heute warnt bestenfalls ein Radardetektor vor der nächsten Radarfalle.

Ist also das Auto eine sichere Verkehrstechnologie? 
Bei weltweit mehr als 1 Million (1 000 000 !) Toten im Straßenverkehr erscheint mir das nicht wirklich gegeben!

Aber auch in der Energieerzeugung geht es nicht nur um die Atomkraft, sondern auch der ganz normale Kohlebergbau oder die Erdölförderung verursachen jedes Jahr eine große Anzahl an Todesopfern, die eigenartiger Weise von der Öffentlichkeit, selbst wenn ein paar Vorfälle in knapper Folge gemeldet werden, nicht besonders wahrgenommen werden. Und  wenn dann nicht als Bedrohung gesehen werden, da es sich ja meist um Vorfälle in weit entfernten geographischen Lokationen handelt.
Überraschend sind für manche sicher auch die Folgen der Kohlegewinnung auf die Landschaft. Im Ruhrgebiet laufen heute eine große Anzahl von Pumpen nur um einigen Flußläufen wieder in das angestammte Flußbett zu verhelfen, weil sonst ganze Landstriche, die nach dem Kohleabbau eingesunken sind, überschwemmt wären.
Es gibt sogar einen eigenen Fonds der den Betrieb der Pumpen auf die nächsten Jahre sicherstellt (Stromkosten von über 10 Mio € jährlich!).
In China, wo etwa 10.000 Arbeiter jährlich in den Bergwerken ums Leben kommen, brennen jede Menge Kohleflöze (die auch gar nicht gelöscht werden können) weil sie illegal und nicht sachgerecht ausgebeutet wurden.
Ist also ein Kohlekraftwerk eine sichere, weil so einfache Technologie? Es wird etwas Kohle in den Kessel geschaufelt, der dann Wasserdampf erzeugt, der wiederum den Generator zur Stromerzeugung antreibt. Eine technisch ganz einfache Sache. Wasserdampf ist sauber, die Abgase aus dem Schlot sind es nicht mehr so!

Ist es die Wasserkraft, die uns die Statistik rettet? Seit etwa 5000 Jahren bauen die Menschen Staudämme, natürlich erst seit etwas mehr als 100 Jahren zur Erzeugung elektrischer Energie. Doch Katastrophen hat es dabei auch schon immer gegeben.
Eine der wohl schwersten im Jahr 1975 wo wegen besonderer Naturereignisse in China 62 Staudämme brechen und insgesamt mehr als 230.000 Menschen sterben.

Aber es gibt weitere Bereiche die genauer betrachtet sehr problematisch sind und vermutlich in der Öffentlichkeit gar nicht derart beachtet werden. So hat das amerikanische Institute of Medicine herausgefunden, daß in den USA jährlich etwa 98.000 Menschen an den Folgen von Fehlern bei ihrem Krankenhausaufenthalt sterben. Die Zahlen in Deutschland (somit also auch in Österreich) sollen ähnlich sein (siehe Bericht Süddeutsche Zeitung 2004).

Die Beispiele ließen sich sicher noch fortsetzen und sollen nur zeigen, daß nur wenn etwas seltener in den Nachrichten der Lieblingsgazette gemeldet wird, das noch nicht heißt daß alles in Ordnung ist.

Während die Risikoabschätzung bei einem Kohlekraftwerk heute wegen der hohen Erfahrung bei Bau und Betrieb solcher Anlagen unter Berücksichtigung modernsten Wissens sehr genau möglich ist, ist es auf Grund deutlich weniger gebauter Anlagen und der etwas komplexeren Technologie eines Atomkraftwerkes nicht mehr so leicht alle Risikobereiche genau zu beziffern. Obwohl der Prozeß der Energieerzeugung selbst theoretisch genau bekannt ist und auch genau berechnet werden kann, ist hier das gesamte Risiko der Anlage bzw. der Technologie inklusive Entsorgung der abgebrannten Brennstäbe schwerer einzuschätzen.

Noch viel schwieriger wird es allerdings, wenn Technologien beurteilt werden sollen, die biologische Stoffe oder Prozesse betreffen. Die Gentechnologie beherrscht der Mensch noch lange nicht so wie die Kerntechnik zur Stromerzeugung. Daher ist es in diesem Fall meiner Meinung nach sehr vermessen über Sicherheit der Anwendbarkeit im großen Stil zu urteilen. Wir stehen bei dieser Technik noch sehr am Anfang. Auch wenn es gelungen ist ein paar “kleine Aufgaben” scheinbar gut zu lösen, haben wir zur Zeit sicher nicht die Möglichkeiten Langzeitfolgen für die Natur bzw. den Menschen abzuschätzen.
Speziell die Auswirkungen von gentechnisch manipuliertem Saatgut, das dann zur Nahrungsmittelproduktion eingesetzt wird, aber genauso Futterzusatzstoffe, Wachstumsförderer etc. können sicher nicht in ihrer Wirksamkeit auf die Gesundheit des Menschen eingeschätzt werden.
Den “Langzeitversuch” den hier einige Konzerne mit den Menschen weltweit durchführen finde ich persönlich für sehr bedenklich.

Sicherheit von Technologie wird wegen immer steigender Komplexität von Verfahren und verwendeten Stoffen oder Techniken immer schwieriger zu beurteilen sein.
Die einfachen Dinge wurden schon erfunden! In Zukunft wird alles etwas schwieriger.
Die steigende Anzahl von Argumenten und Parametern gilt es sorgfältig zu beachten und zu gewichten.
Daher wird es in Zukunft um so wichtiger sein, daß die Menschen die mit dem Einsatz und der Anwendung von neuen Technologien zu tun haben, sich ihrer Verantwortung bewußt sind und diese auch möglichst unbelastet von äußeren Störeinflüssen wahrnehmen.

Gerald Pechoc, Mai 2011

Links zum Thema
http://de.wikipedia.org/wiki/Verkehrstod
http://www.focus.de/panorama/welt/un-mehr-als-eine-million-verkehrstote-weltweit_aid_408400.html

http://www.energie-fakten.de/pdf/unfallrisiken.pdf
http://gabe.web.psi.ch/pdfs/Energiespiegel_13d.pdf
http://de.wikipedia.org/wiki/Kohlebrand
http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege/2008/0603/003_untertage.jsp

http://katastrophen.anabell.de/dammbrueche/dammbrueche.php

http://www.sueddeutsche.de/wissen/medizin-mehr-tote-durch-aerztepfusch-als-im-strassenverkehr-1.603145

http://www.it-recht-kanzlei.de/gentechnisch-ver%C3%A4nderter-mais-haftung-hersteller.html
http://www.zeit.de/kultur/film/2011-03/film-gekaufte-wahrheit
http://www.pressetext.com/news/20080516022
http://de.paperblog.com/das-ziel-sechseinhalb-milliarden-tote-135520/
http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/enthuellungen/michael-grandt/verbraucherschutz-als-verbrauchertaeuschung-lebensmittel-ohne-gentechnik-.html