Es ist der zweite Tag des Ausnahmezustandes rund um und in den Festzelten auf der Wiener Donauinsel. Es ist wieder so weit – das Donauinselfest hat alles in dieser Region fest im Griff.
Parkplätze – vorher schon Mangelware – sind endgültig vergriffen. Die zusätzlich aufgestellten Papierkörbe werden der zu Werbezwecken ausgeteilten Getränkedosen nicht herr. Zu gewissen Zeiten, dann wenn die “Zugpferde” des heimischen und internationalen Pop die Bühnen beherrschen sind die meisten Verkehrsmittel überfüllt; auf den Brücken zur Insel wälzen sich Menschenströme zu den Arenen.
Die Bässe bahnen sich ihren Weg selbst zu den Ohren derer, die gar nicht gewußt haben, daß sie auch Anrainer sind – viele km quer durch das nördliche Wien. Selbst das etwas wechselhafte Wetter hat auf alles nur einen geringen Einfluß.
In den Zelten fließt das Bier faßweise, überall riecht es nach Langos und Grillwürstel, die MA48 (rufen sie bitte nicht das Misttelefon – die Kollegen haben schon Sonderschichten eingeteilt) wird den größten Anteil an der Nacharbeit des “Festes” haben.
Obwohl der Eintritt gratis ist (noch) und doch 2000 Künstler auftreten, rollt bei einigen der Rubel – nein heute sollten wir zeitgemäß sagen: der Euro rockt.
Schließlich sind nicht unerhebliche Standmieten zu bezahlen, die Werbung darf sicher auch nicht kostenlos aufgestellt werden und zu guter letzt, bekommt auch “die Sozialdemokratie”, als Veranstalter, ein Stück gutes Geld in ihre Kassen.
Als besonderer Trendsetter ist eine Fastfoodkette aufgetreten, die bei der Schnellbahnstation Handelskai eine Filiale unterhält.

Ganz im Stile von Henry Ford (“sie können ihren Wagen in jeder Farbe haben, vorausgesetzt sie ist schwarz”) hat man bei McDonalds das Angebot stark verkürzt – damit die anstürmenden Massen der Inselbesucher nicht so lange nachdenken müssen beim Bestellen, und zum Ausgleich die Preise auf über 6 € angehoben.
Im McCafé gibt es gleich statt drei Größen Kaffee nur mehr eine und statt der vielen Mehlspeisen zwei Sorten Donuts. Um weiter zu vereinfachen hat man auch hier die Preise auf 2,99€ angehoben. Man sieht die Geschäftsführung hat ihr betriebswirtschaftliches Wissen voll ausgeschöpft. Wenn es wenig Angebot gibt, und bei so vielen Menschen, gesamt werden etwa 3Mio Besucher erwartet, dann steigen die Preise, und im gleichen Ausmaß der Gewinn. Das hat uns schon die Erdölindustrie mehrfach vorgeführt.
Nachdem Stammkunden und nachhaltiges Wirtschaften heute nur in den Hochglanzprospekten von Bedeutung sind könnte diese Strategie aber auch nachhaltig nach hinten los gehen. Dann wenn einige der Stammkunden nachhaltig verärgert sind und vielleicht dem McCafé, das zu “Friedenszeiten” seinen Reiz hat – Musik, nettes Ambiente, gute Erdbeerschnitten – vielleicht für immer den Rücken kehren.
Vielleicht hat es sich dann doch ausgerockt, wenn der große Ansturm der Donauinselfestgäste wieder vorbei ist.
Gerald Pechoc, Juni 2011


Hallo Gerald!Wie immer ein blendend locker geschriebener Beitrag…leider entwickelt sich unser Land immer mehr zu “Abzockern”… aber das Volk schluckt scheinbar gerne die ausgelegten Köder! Liebe Grüße! Hans
Danke! Liebe Grüße nach BB